Vida cotidiana

Das Alltagsleben in einem Leuchtturm erfuhr im Laufe der Jahre beträchtliche Veränderungen, die vor allem auf die Weiterentwicklung der zur Seebeleuchtung eingesetzten Technologie zurückgingen. Zweifellos waren die Anfänge besonders hart, da die Arbeit an manchen Standorten besonders anstrengend war – nicht so sehr wegen des erforderlichen Know-hows als wegen der extremen Lebensbedingungen.

In jener Zeit mussten die Leuchtfeuerwärter und ihre Familien nämlichen auf kleinen Inseln wie Els Penjats oder En Pou leben. Auf En Pou drang beispielsweise das Meerwasser bei starkem Unwetter sogar durch die Wohnungsfenster. Nicht selten verzögerte sich die Versorgung mit Proviant wegen des schlechten Wetters bis an beängstigende Grenzen. Außerdem stellte das Zusammenleben der Familien an derart isolierten Orten oft eine zusätzliche Schwierigkeit neben der ohnehin schon schweren Arbeit dar.

Mi der Zeit wurde die Isolierung allmählich erträglicher, da Motorboote zur Beförderung auf die Inseln eingesetzt wurden, genau wie dreirädrige Lieferwagen zum Transport von Material und sogar Personen, Funkgeräte für die Kommunikation und separate Badezimmer für jede Wohnung.

Dies alles verringerte die Spannungen der Leuchtturm-Bewohner untereinander erheblich. In jedem Fall blieb das Zusammenleben auch weiterhin ein sehr wichtiger Faktor für die Leuchtfeuerwärter. Ihnen war bewusst, dass es unter Umständen die gute Abwicklung ihrer Arbeit beträchtlich erschweren konnte.

Die Strapazen der Leuchtfeuerwärter-Tätigkeit auf den Balearen im 19. Jahrhundert werden durch eine Reihe von Vorfällen verdeutlicht, die zwar nur einen Bruchteil aller Ereignisse darstellen, aber einen guten Überblick über die Widrigkeiten des Lebens in den Leuchttürmen bieten.

  • 1860: Das Meer verschluckte die Seeleute, die im Leuchtturm von Na Pòpia ihren Dienst leisteten. Damals zählten die isolierten Leuchttürme auf einen Bootslieferdienst.
  • 1869: Die Leuchtfeuerwärter des Leuchtturms von L’Illa de l’Aire und von Capdepera riskierten ihr Leben, um Schiffbrüchige zu retten, und wurden von der spanischen Regierung dafür ausgezeichnet.
  • 1881: Die zwei Leuchtfeuerwärter des Leuchtturms von Els Penjats starben beim Versuch, mehrere Schiffbrüchige zu retten.
  • 1890: Die zwei Seeleute des Leuchtturms von N’Ensiola ertranken.
  • 1897: Alle Leuchtfeuerwärter des Leuchtturms von Na Pòpia samt Vertreter erkrankten am Denguefieber (einem auch als „Knochenbrecherfieber“ bekannten Virus), hielten den Leuchtturm aber trotz ihres schlechten Gesundheitszustands in Betrieb.
  • 1913: Die Leuchtfeuerwärter des Leuchtturms von En Pou mussten auf der Insel Espardell Zuflucht suchen, um ein schweres Unwetter zu überleben. Der Leuchtturm wurde völlig zerstört.
  • 1925: Der Leuchtfeuerwärter des Leuchtturms von Tramuntana starb und musste bis zum folgenden Tag von seiner Frau vertreten werden.
  • 1936: Die zwei Leuchtfeuerwärter des Leuchtturms von N’Ensiola wurden mit einem U-Boot nach Menorca gebracht.
  • 1939: Die Seeleute des Leuchtturms von Tagomago wurden entführt und mit dem offiziellen Leuchtturm-Boot nach Algier gebracht.